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Loslassen heißt nicht loswerden. Es heißt, dem, was wir loslassen möchten, einen Platz in unserer Biografie zu geben. So können wir die Erfahrung, die Erkenntnisse und die Energie darin in uns integrieren oder sie dort verorten, wo sie hingehört, und das kann auch bei einem anderen Menschen sein. Dann steht uns unsere Kraft wieder für uns selbst zur Verfügung.
Warum Loslassen so schwer ist
Klassiker, die sich schwer loslassen lassen: emotionale Themen, Gedanken, ungesunde Situationen und verstorbene Menschen, die uns nahestanden. Oft stecken dahinter Muster und Selbstbilder, die aus frühen Prägungen entstanden sind. Es lohnt sich zu erforschen, welches Muster sich hinter einem schwierigen Loslassprozess verbirgt, was also erkannt und künftig anders gelebt werden möchte. Es geht um ein tieferes Hinschauen, Erforschen und Eintauchen in das, was du loslassen magst.
Die folgenden Fragen können dir helfen, dem auf die Spur zu kommen. Nimm dir Zeit dafür und geh auch in emotionalen Kontakt mit dem, was sich zeigt, statt auf der rein gedanklichen Ebene stehen zu bleiben. Ein Loslassprozess ist immer auch eine Chance auf tiefe Heilung. Die Gedanken zum Loslassen, die ich hier beschreibe, gehen auf Chuck Spezzano zurück. Von ihm stammt auch der Satz: Loslassen ist die höchste Integration.
Fragen für den Integrationsprozess
1. Dient dir das, was du loslassen möchtest, noch?
Und auf welche Weise dient es dir? Auch ein dysfunktionales Muster kann auf einer anderen Ebene Sicherheit geben, denn wir streben immer nach Sicherheit. Das Vertraute, früh Geprägte schenkt trotz aller Destruktivität, die oft darin liegt, auch Sicherheit. Für unser Nervensystem ist das Bekannte oft sicherer als das Unbekannte, selbst wenn das Bekannte wehtut. Das erklärt, warum wir zum Beispiel in ungesunden Jobsituationen oder Partnerschaften bleiben.
Du kannst dich auch fragen: Was muss ich, oder was muss ich gerade nicht, solange ich nicht loslasse? Wenn du hierauf Antworten findest, hast du eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Sie macht das Loslassen leichter, in einem ganz natürlichen Prozess.
2. Was wäre stattdessen stimmig für dich?
Was wäre deinem jetzigen Entwicklungsstand und deinen heutigen Bedürfnissen angemessen, zu tun und zu leben? Was würdest du dir wünschen, wenn du loslassen und neu starten könntest? Wie würdest du dich verhalten, was genau würdest du tun, und wie würdest du dich dabei fühlen?
3. Gibt es noch eine unvollendete Lernaufgabe?
Diese Frage kannst du dir im Prozess des Loslassens immer wieder stellen.
Noch einmal ganz knapp:
Wofür dient es mir noch?
Worauf möchte ich mich lieber ausrichten?
Gibt es noch eine unvollendete Lernaufgabe in diesem Geschehen?
Abschied von verstorbenen Menschen
Wenn du dich von einem verstorbenen Menschen verabschieden möchtest, können dich diese Fragen und die inneren Prozesse, die sie anstoßen, begleiten:
Was möchtest du würdigen?
Was hat dich dieser Mensch gelehrt oder gezeigt, und was konntest du durch ihn für dich lernen oder heilen?
Was möchtest du ihm noch sagen?
Loslassen ist wie ein Instrument lernen
Das alte Muster erkennen und anerkennen. Dann eine neue Richtung, eine neue Haltung, ein neues Muster einnehmen und es pflegen. Irgendwann ist die Zeit da, dich für das Neue zu entscheiden und dich verbindlich dafür zu erklären. Und dann übst du die neue Haltung in deinem Leben, in kleinen Schritten und Situationen, immer wieder, mit einer gewissen Leichtigkeit statt Verbissenheit.
Es ist ein wenig, als würdest du ein Instrument lernen. Ohne Freude und ohne ein paar Minuten tägliches Üben wird es schwer, es spielen zu können.
Das klingt vermutlich nicht so verlockend wie ein Drei-Schritte-Plan, nach dem du in einer Stunde alles Hinderliche loslässt, wie es manche Coaches versprechen. Aber ganz ehrlich: Hat das bei dir funktioniert? Bei mir und vielen Menschen, die ich kenne, nicht. Nachhaltige Veränderung braucht Zeit und eine gewisse Beharrlichkeit, sich dem neuen Muster immer wieder zuzuwenden, bis sich im Gehirn neue Bahnen gebildet haben.
Es geht darum, dem, was du losgelassen und verabschiedet hast, als wertvolle Erfahrung einen Platz in deiner Biografie zu geben. Loslassen bringt die Energie zu uns zurück. Es führt uns in die Eigenverantwortung, in die Selbstwirksamkeit und in die Heilung, und es befreit uns von dem, was an Ungutem in unserem Leben dominiert.
Du musst nicht allein loslassen
Manche Muster sitzen so tief, dass es leichter ist, sie mit Begleitung anzuschauen. Wenn du merkst, dass du allein immer wieder an derselben Stelle hängen bleibst, begleite ich dich gern, behutsam und in deinem Tempo. Mehr dazu findest du unter Begleitung.
Alles Liebe
Ulrike

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob eine Begleitung für dich passt. Oder du liest weiter im Blog.