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Wenn ich auf die vielen Jahre meiner eigenen Selbsterforschung und Therapie zurückschaue, fällt mir vor allem auf, wie sehr ich auch dort in meiner Überlebensstrategie gelandet bin: funktionieren, Leistung bringen müssen und am Ende diese elende Selbstoptimierung. Vielleicht kennst du das von dir selbst. Erst in den letzten Jahren finde ich mehr und mehr in eine innere Haltung von „Alles darf da sein. Ich muss hier nicht funktionieren.“
Die vielen Anteile in uns
In der Anteilearbeit, etwa der Ego-State-Therapie, geht man davon aus, dass es viele einzelne Anteile in uns gibt. Sie sind neuronale Netzwerke mit eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Gedanken und sogar Verhaltensweisen. Das zeigt sich in Situationen, in denen wir plötzlich sehr emotional reagieren und uns zum Beispiel wie ein fünfjähriges Kind verhalten und auch so fühlen. Der erwachsene Anteil ist dann nicht mehr erreichbar.
In der Kurzversion heißt das: Im Idealfall nimmt der erwachsene Anteil in uns den jungen Anteil in Empfang, sodass dieser landen und sich beruhigen kann.
Wenn sich etwas dazwischenschiebt
In der therapeutischen Arbeit zeigt sich aber oft etwas anderes. Es fällt schwer, den erwachsenen Anteil überhaupt wirklich zu fühlen und ganz in ihm verkörpert zu sein, gerade dann, wenn wir uns einem jungen Anteil in innerer Not zuwenden möchten. Etwas, also ein anderer Anteil, schiebt sich dazwischen. Und genau darin liegt meist ein großes Heilungspotenzial.
Wenn eine Intervention nicht gelingt, wenn es nicht einfach so funktioniert, den inneren Erwachsenen direkt anzusteuern, dann zeigt sich in der Regel genau der Anteil, der auch im Alltag das Ruder übernimmt, sobald wir emotional reagieren.
Das Ergebnis loslassen
An diesem Punkt ist es wichtig, ein Ergebnis loszulassen, das wir oft vor Augen haben. „Das muss doch jetzt funktionieren.“ „Wieso kann ich das jetzt nicht?“ „Ich versage auch hier, schon wieder.“
Das ersehnte Ergebnis bedeutet meistens, dass sich der junge Anteil beruhigen und schön mitspielen, also funktionieren soll. Am besten verschwindet er gleich ganz, denn die vermeintlich schlechten Gefühle wie Angst, Ohnmacht, Schmerz und Wut möchten wir nicht fühlen. So wiederholt sich im Inneren oft genau das, was diese Anteile früher erlebt haben.
Ein sicherer Hafen statt Reparatur
In der liebevollen Selbstbeachtung geht es genau darum, einen Raum zu schaffen, der sich sicher genug anfühlt, für uns und für die inneren versehrten Anteile, damit sie sich überhaupt zeigen können. Viele von uns haben im Laufe des Lebens, besonders in der frühen Kindheit und weiter in der Jugend, viel Lieblosigkeit erfahren und wurden mit diesen Gefühlen rigoros abgelehnt. Oft konnten schon unsere engsten Bezugspersonen diese schweren Gefühle in sich selbst nicht halten. Und so konnten sie sie auch nicht annehmen, als sie ihnen im eigenen Kind begegneten.
In der Praxis der liebevollen Selbstbeachtung geht es also nicht darum, dass wir uns plötzlich lieben können und schöne Affirmationen über die Wunden unserer inneren Anteile legen. Es geht darum, uns so zu sehen, wie wir jetzt da sind, mit all den versehrten Anteilen und den Gefühlen, die zu ihnen gehören. Nicht reparieren, nicht wieder an den inneren Anteilen herumschrauben, sondern ihnen endlich einen Hafen anbieten, einen sicheren, wohlwollenden Raum, in dem sie sein dürfen.
Meiner Erfahrung nach bringt das meist eine Beruhigung, eine Öffnung, ein Weichwerden uns selbst gegenüber. Und damit auch ein ganz natürliches Zurückfinden in den Erwachsenen. Die innere Grundhaltung darf dabei wohlwollend und liebevoll zugewandt sein.
Diesen Raum gemeinsam erforschen
Manchmal braucht es zuerst einen Menschen, der diesen Raum mit uns hält, bevor wir ihn uns selbst schenken können. In meiner Begleitung erforschen wir behutsam und in deinem Tempo, wie du deinen inneren Anteilen begegnen kannst, ohne dass etwas funktionieren muss. Mehr dazu findest du unter Begleitung. Und wenn du es lieber in Bewegung erfahren möchtest, schau gern bei meinen Workshops vorbei.
Alles Liebe
Ulrike

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob eine Begleitung für dich passt. Oder du liest weiter im Blog.