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Fangen wir einmal andersherum an: Wie wäre ein Leben ohne toxische Scham?
Es würde sich freier anfühlen. Es wäre mit Lebensfreude verbunden. Beziehungen, gerade Liebesbeziehungen, wären erfüllter und einfacher. Träume und Ziele ließen sich leichter verwirklichen. Und das Wichtigste: Du hättest ein grundlegendes Gefühl von „Ich bin völlig in Ordnung. Ich bin genug. Ich muss nichts dafür tun, einfach da zu sein.“ Wir wüssten um unsere grundsätzliche Existenzberechtigung.
Es ginge einher mit einer inneren Aufrichtung, einem Gefühl von Würde. Mit dem Wachsen und Erkennen des eigenen Selbstwerts. Mit einer Rückkehr zur natürlichen Scham, die unseren intimen Raum und damit unsere Würde schützt. Mit einem feinen Gespür für unsere Grenzen und der inneren Erlaubnis, sie auch zu setzen.
Die Masken, die wir tragen, wären nicht mehr so lebenswichtig. Bisher schützen sie uns vor weiterer Beschämung und damit vor Herabsetzung, Entwertung und Entwürdigung. Wir könnten wahrnehmen, wenn Menschen wohlwollend auf uns schauen. Und wir selbst entwickelten einen wohlwollenden Blick auf uns, eine Haltung von „Ich nehme mich an, so wie ich jetzt bin“. Das ist der Weg zu einem heilsamen Umgang mit toxischer Scham, die uns so tief im Innersten erschüttert.
Wie toxische Scham entsteht
Toxische Scham entsteht, wenn wir Gewalt in Form von starker Beschämung erfahren mussten. Am schwersten wiegen sexuelle Gewalt und jede Form von körperlicher und emotionaler Misshandlung. Sie greifen uns im tiefsten Kern unseres Seins und unserer Identität an. Die daraus entstehende toxische Scham wirkt wie ein dauerhaftes Gift in uns, das uns Lebensfreude und volle Lebendigkeit verwehrt.
Sie sorgt dafür, dass ein Mensch zutiefst verunsichert ist in seinem Sein. „Ich schäme mich“ ist ein Gefühl, das sich auf uns selbst bezieht, und es entsteht durch den Blick, mit dem andere auf uns schauen. Wenn dieser Blick und der Umgang mit uns beschämend und erniedrigend waren, und das in der frühen Kindheit durch die Eltern, entsteht ein Grundgefühl von „Ich bin falsch, so wie ich bin“.
Es geht also nicht um ein Fehlverhalten, wie bei der Schuld, sondern um die Ebene des Seins: um mich als die Person, die ich bin. In starker Ausprägung führt das dazu, die eigene Existenzberechtigung anzuzweifeln. Die eigene Existenz wird als beschämend erlebt.
Puh. Lass das einen Moment in dich sinken und spüre nach, ob dir etwas davon vertraut ist.
Welche Folgen sie hat
Toxische Scham wirkt sich vor allem auf unser Selbstwertgefühl aus. Und das wiederum prägt, wie wir unser Leben gestalten und ob wir uns das überhaupt erlauben. Vielleicht vermeiden wir es, Ziele zu verwirklichen, weil wir dann sichtbar würden und damit wieder Gefahr liefen, beschämt zu werden.
Toxische Scham kann auch zu starkem Perfektionismus und überdurchschnittlicher Leistungsbereitschaft führen. Oder zu einem starken Verantwortungsgefühl für andere. Wir möchten beliebt sein, auch hier, um nicht beschämt zu werden oder in unserer tiefen Beschämtheit erkannt zu werden.
Der Preis, den wir zahlen, ist hoch: Lebendigkeit, Lebensfreude, Kraft für das Leben. Die Zustimmung, wirklich leben zu wollen und uns selbst ganz zuzumuten, voll da zu sein, mit allen Seiten.
Schritte der Heilung
Bewusstsein
Am Anfang steht das Bewusstsein, dass toxische Scham in uns wirkt. Wir lernen, unsere Gefühle zu lesen und die Körpersprache, die damit einhergeht. Und wir bringen den Mut auf, uns dem Schamgefühl wirklich zuzuwenden. Weil es mit so intensivem Schmerz verbunden ist, wenden wir uns meist reflexartig davon ab.
Erforschen
Wir können erforschen, welche Gefühle wir ganz persönlich mit Scham verknüpft haben. Vielleicht ist es Wut, die dir früher verboten wurde. Vielleicht schämst du dich, wenn du wild, laut und fröhlich bist, weil auch das untersagt war. Vielleicht schämst du dich deiner Nacktheit, weil dir vermittelt wurde, dass sie beschämend ist. Die Frage ist also: Welche Gefühle hast du mit Scham gekoppelt?
Lebendigkeit zurückholen
Danach holen wir wieder mehr Lebendigkeit und Erlaubnis zurück, uns selbst ganz zu leben und zu zeigen. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, wie wir in bestimmten Situationen frei und wild sind, und dieses Bild möglichst lebendig in unser Herz aufnehmen.
Annehmen
Das wichtigste Heilungselixier ist das wohlwollende Annehmen dessen, was ist, und das Annehmen deiner selbst in deinem So-Sein. Das braucht eine gewisse Bewusstheit, damit du dir ehrlich und wohlwollend begegnen kannst, ohne in den Gefühlen der Scham zu versinken. Es ist das Gegenteil davon, dich für das zu verurteilen, wer und wie du bist. Und dort beginnt wohl alle Heilung.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen
Scham will versteckt bleiben, und gerade deshalb heilt sie oft am besten in einer sicheren Beziehung, unter einem wohlwollenden Blick. Wenn du spürst, dass dich dieses Thema tief berührt, begleite ich dich gern, behutsam und in deinem Tempo. Mehr dazu findest du unter Begleitung.
Ich wünsche dir alles Liebe für deinen Heilungsweg.
Ulrike

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob eine Begleitung für dich passt. Oder du liest weiter im Blog.