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In diesem Text geht es um meine Erfahrungen mit dem Naturcoaching, um eine konkrete Übung, die dir hilft, Entscheidungen zu treffen, und um meine ganz persönlichen Prozesse.
Ein paar Tage vor einem Tagesworkshop im Mai ging ich ziemlich bedrückt und nervös meine frühmorgendliche Waldrunde. Ich war völlig in Gedanken und grübelte, wie ich den Workshop möglichst gut gestalten könnte. Da bekam ich plötzlich Besuch: erst ein, dann zwei junge Eichhörnchen, ins Spiel vertieft, kreuzten meinen Weg, und nach und nach kamen drei weitere dazu. Fünf kleine Eichhörnchen. So putzig und lebendig, sie spielten und jagten sich wie kleine Hunde, fröhlich und unbekümmert. Zwei mutige kamen ganz nah, beäugten mich kurz und rannten zurück zu den anderen. Noch nie hatte ich fünf Eichhörnchen auf einmal in freier Wildbahn gesehen. Es war ein Geschenk.
Die bedrückte Stimmung wich guter Laune und Zuversicht: Genau so spielerisch und leicht soll mein Workshop sein, ein freudvolles Miteinander, ein Tag unter Freundinnen und Freunden. Und so war dann auch die Grundstimmung des Tages.
Die Natur als Ressource und als Ratgeberin
Die Natur ist nicht nur eine wunderbare und immer erreichbare Ressource, um zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen. Sie kann uns auch neue Impulse und Lösungen für anstehende Fragen schenken. Dass Zeit in der Natur Stress messbar im Körper senkt, belegen inzwischen zahlreiche Studien. Einen guten Überblick gibt das Buch „Der Biophilia-Effekt“ von Clemens Arvay.
Mich fasziniert vor allem der Aspekt des Naturcoachings: wie die Natur uns klare Zeichen und Wege zeigt, auf die wir durch reines Nachdenken und Kreisen um ein Problem kaum kämen. Sie schenkt einen heilsamen, geborgenen Rahmen, in dem sich neue Perspektiven abzeichnen und innere Anteile zu Wort melden, die sonst eher ein Schattendasein führen. Sie ist tatsächlich wie eine Mutter, die uns in Wohlsein hüllt, ohne dass wir viel dafür tun müssen, außer sie zu besuchen. Wie nährend es sein kann, sich einfach an einen Baum zu lehnen, den Halt im Rücken zu spüren und tief durchzuatmen. Die Natur schenkt uns viel, wenn wir uns für die wirkliche Begegnung mit ihr und mit uns selbst öffnen.
Ein Wochenende Naturcoaching
Letztes Wochenende habe ich an einer Fortbildung zum Naturcoaching bei der wunderbaren Kerstin Peter in Rüdesheim teilgenommen. Sie war meine Belohnung nach entbehrungsreichen Monaten und der bestandenen Prüfung zum Coach für Neurosystemisch-integrative Traumaarbeit.
Zwölf Frauen kamen zusammen, um sich gemeinsam in die Natur zu begeben. Ein kraftvolles Gewitter begrüßte uns und brachte nach einem drückend schwülen Tag Abkühlung und Reinigung. Unsere Zelte durften wir in einem kleinen Paradies aufschlagen, dem großen Gartengrundstück von Kerstin: Blick auf den Rhein und die grünen Weinberge, am Rand eines magischen Waldes, zwanzig Gehminuten vom Kloster der Hildegard von Bingen entfernt. In der Outdoorküche haben wir gemeinsam gekocht, gespült, gelacht und erzählt und unsere Mahlzeiten an einer großen Tafel unter dem Pavillon geteilt.
Diese Gemeinschaft war für mich neben all den Übungen das Heilsamste und Wichtigste. Wie sehr hatte ich das vermisst: den Kontakt, den Austausch, das Teilen von Alltäglichem und von tiefen Gefühlen. Obwohl wir eine sehr unterschiedliche Gruppe waren, verband uns die Liebe zur Natur. Die Atmosphäre war wohlwollend, freudig und zugewandt. Wir haben viel gelacht, waren ausgelassen, haben auch geweint oder die Hand einer anderen gehalten, die gerade Verbundenheit brauchte. Sicher trug auch das Motto des Wochenendes zu der leichten Stimmung bei: „Schöner Scheitern“. Kein Leistungsdruck, kein Richtig oder Falsch, der Fokus lag auf Erfahren, Erleben und Erforschen.
Die Übungen führten uns immer tiefer zu uns selbst, manche allein, viele im Kontakt mit einer oder mehreren anderen Frauen. Zu Beginn suchte sich zum Beispiel jede ganz intuitiv einen Gegenstand aus der Natur, der sie gerade ansprach, ein Blatt, einen Grashalm, einen Stein. Spannend war dann, welche Gedanken und Bilder der Partnerin dazu kamen. Für sich selbst konnte man schauen: Was hat das, was die andere sagt, mit mir und einem aktuellen Thema zu tun? Es war verblüffend, wie treffend eine Frau, die mich und meine Situation gar nicht kannte, über meinen Eichenzweig sprach.
Das alles eingebettet in eine weite Landschaft: reife, goldene Kornfelder, bunte Blumenwiesen, blauer Himmel, ein zauberhafter Wald mit Eichen, Eschen, Esskastanien und Buchen, Wildkräuter und immer wieder Schmetterlinge. Der Duft nach reifem Korn und Sommer, ein Summen, Zirpen und munteres Zwitschern. Wieder wurde mir deutlich, wie intensiv ein meditativer Spaziergang in Stille sein kann. Einfach schlendern, ganz im Hier und Jetzt, ohne zu einem Ziel zu hetzen. Die Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen, immer langsamer werden und tiefe Verbundenheit und Freude über die Fülle des Lebens spüren.
Übung: Entscheidungswege
Diese Übung war für mich besonders eindrücklich. Es geht darum, aus mehreren Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen, und zwar nicht so sehr im Kopf, sondern intuitiv und über den Körper. Du kannst sie gut allein machen. Eine begleitende Person kann zusätzliche Impulse und Blickwinkel einbringen.
In meinem Leben gab es damals viel Umbruch und damit viele neue Möglichkeiten. Wohin soll mein Weg gehen? Wo ist mein Platz? Welchen beruflichen Weg schlage ich ein? Steht eine neue Partnerschaft an?
So gehst du vor
Überlege, welche Möglichkeiten gerade anstehen, und suche dir eine Wegkreuzung in der Natur. Bestimme intuitiv, welcher Weg für welche Möglichkeit steht, und geh dann jeden Weg einzeln ein Stück. Lass dich führen. Du wirst schnell spüren, welcher Weg gerade gar nicht ansteht und welcher dich anzieht. Wichtig ist, jeden Weg mindestens ein paar Schritte zu gehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Achte auf das, was du siehst. Vielleicht zeigt sich ein Tier, vielleicht schweift dein Blick unruhig umher. Was nimmst du über deine Sinne und deinen Körper wahr? Schau dann, welcher Weg dich am meisten hält, und geh ihn ruhig etwas länger, bis du vielleicht an einem besonderen Platz ankommst und spürst: Das ist der richtige Weg, und der erste Schritt wird sein …
Meine Erfahrung an der Kreuzung
Bei mir ging es schnell darum, dass ich wieder in einer kleinen Gemeinschaft leben möchte, am liebsten in den Bergen. Während ich den Weg entlangging, stiegen eine starke Sehnsucht und dann Angst in mir auf, diesen Platz nicht zu finden. Kein angenehmes Gefühl. Trotzdem lief ich tapfer weiter, weil ich am Ende des Weges eine helle Lichtung zu sehen glaubte. Die vermeintliche Lichtung war ein Trinkwasserwerk mit Stacheldrahtzaun. Große Enttäuschung, genau das alte Gefühl: Ich finde meinen Platz nicht.
Auf dem Rückweg ging mein Blick immer wieder zu einer Stelle im Wald mit abgeschlagenen Ästen und toten Bäumen, gar nicht einladend. Trotzdem zog es mich dorthin. Dort angekommen überkamen mich eine große Schwere, Trauer und ein diffuses Schuldgefühl. „Verbrannte Erde“ war der Satz in meinem Kopf, dann kamen Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg. Mir war klar, dass in meinem Familiensystem noch etwas hängt, das nicht gelöst ist. Solche Momente zeigen, wie die Natur auch Themen sichtbar machen kann, die über Generationen weitergegeben wurden.
Während es in mir immer schwerer wurde, sagte meine Begleiterin, die das ebenfalls gespürt hatte, wir hatten beide Gänsehaut: „Schau mal in die andere Richtung, vielleicht hilft dir das weiter.“ Als ich mich umdrehte, fiel mein Blick auf schöne Bäume und einen lichten Platz. Nach ein paar Schritten stand ich in einem Kreis von Esskastanien, fand sofort meinen Platz darin und fühlte mich so erleichtert und beglückt. Von dort konnte ich gut auf die verbrannte Erde schauen und wusste: Ich werde meine Gemeinschaft finden, meinen Platz einnehmen, dazugehören. Der Platz in diesem Baumkreis fühlte sich geborgen an, angekommen.
Naturcoaching bei mir
Wenn du Lust bekommen hast, selbst einmal mit einer Frage in den Wald zu gehen: Naturcoaching biete ich heute als Einzelbegleitung in Heidelberg an. Mehr dazu findest du auf der Seite Naturcoaching.
Alles Liebe
Ulrike
PS: Diesen Text habe ich im Wald auf einer Bank geschrieben, schattig und kühl, ab und zu ein sanftes Rauschen in den Baumkronen, Vogelstimmen und wohltuende Waldluft. Für kreatives Arbeiten sehr zu empfehlen. Als hätten mir die Bäume die Worte zugeflüstert.

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