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Diesen Text habe ich nach einem intensiven Prozess geschrieben, in dem ich wieder einmal meiner inneren Einsamkeit begegnet bin. Als ich zur Ruhe kam, sprudelten die Worte einfach aus mir heraus. Entstanden ist dieser ehrliche Text.
Wenn wir keine gesunden Grenzen setzen können, ist kaum ein wirklich nährender, naher Kontakt mit anderen Menschen möglich. Ein Grund kann sein, dass wir Bindung und damit Nähe als bedrohlich, unsicher oder instabil erfahren haben, und genau solche Menschen ziehen wir dann oft an.
Die andere Variante zeigt sich darin, dass wir uns emotional verantwortlich fühlen für andere. Wir tragen sie mit, geben viel, sind sehr präsent, weil wir genau das in der frühen Kindheit gelernt haben. Gerade wenn Mütter nicht erwachsen und nicht stark geworden sind, gehen Kinder oft in diese Rolle und fühlen sich für das Wohlergehen der Mutter verantwortlich. Damit gehen sie über ihre Grenzen, in Überforderung, in eine viel zu frühe Verantwortung für etwas, das definitiv nicht die Aufgabe von kleinen Mädchen oder Jungen ist.
Als erwachsene Frau, oder als erwachsener Mann, fällt es uns dann schwer, Beziehungen aufzubauen, die nah genug sind, um uns gutzutun, die sich nährend und sicher anfühlen und in denen wir sein können, wie wir wirklich sind. Oft springen wir unbewusst in eine starke Anpassung an das Umfeld, in dem wir Verbindung suchen. Wir setzen keine Grenzen, stehen nicht zu unseren Bedürfnissen und verlieren uns immer mehr. Besonders in Partnerschaften kann das passieren.
So entsteht oft eine Einsamkeit: Im Außen gibt es wenige Menschen, die uns wirklich guttun, oder wir sind nicht authentisch im Kontakt. Wir ziehen keine Grenzen, aus Angst, die Verbindung ganz zu verlieren und wieder abgelehnt, allein gelassen, verraten und verlassen zu werden. Es sind all die alten Verletzungen und der tiefe Schmerz, die wir als Kinder erfahren mussten.
Was hilft?
Dich deinem inneren Schmerz zuzuwenden. Dich in dieser inneren Not wirklich aufzufangen und dir selbst liebevoll zu begegnen.
Stell dir zum Beispiel vor, dass du dir selbst gegenüberstehst und dich liebevoll anschaust. Und dann nimm, als die Angeschaute mit dem inneren Schmerz, diese liebevolle Beachtung in dich auf. So kann sich dein System schon etwas entspannen und mit dem Schmerz der Einsamkeit sein, bis das Gefühl wieder abebbt.
Im nächsten Schritt kannst du schauen:
Welcher innere Anteil rutscht in diese Not?
Welche Sätze, vielleicht auch Bilder, tauchen auf?
Wer hat diesen Anteil ursprünglich verlassen, emotional missbraucht oder überfordert, die Mutter, der Vater?
Dann gehst du als Erwachsene in deiner Vorstellung in diese Situation, zu diesem inneren Anteil, und bist einfach da. Schau, was er braucht: Worte, eine Hand, eine Umarmung. Du wirst es intuitiv wissen. Der Anteil kann sich entspannen, weil er bei dir als Erwachsener sicher landen darf und nicht mehr allein ist mit dem Schmerz, der Angst oder der Wut. Dein System kommt zur Ruhe, weil jetzt eine innere Verbundenheit spürbar wird.
Es geht darum, die Einsamkeit des inneren Kindes zuerst durch diese liebevolle Zuwendung zu lindern. Zuerst im Inneren, statt schnell nach außen zu springen und dort womöglich bei den falschen Menschen nach Kontakt und Heilung zu suchen, in einer Wiederholung der alten Geschichte.
Wenn die Gefühle dabei zu stark werden, darfst du jederzeit aufhören, die Augen öffnen und dich im Raum umschauen. Manche Erfahrungen brauchen eine Begleitung, um sicher gehalten zu werden.
Kontakt im Außen
Im Außen wäre es gut, wenn du tatsächlich in Kontakt mit neuen Menschen gehst, oder in einer neuen Qualität mit Menschen, die du schon kennst. Nicht aus innerer Bedürftigkeit und Einsamkeit heraus, sondern aus dieser inneren Verbundenheit.
Welche Menschen würden dir wirklich guttun?
An welchen Orten könntest du sie treffen?
Welche gemeinsamen Interessen könnten helfen?
Wenn du Menschen suchst, mit denen du einen ehrlichen, tiefen Kontakt eingehen möchtest, könntest du dich zum Beispiel einer Gruppe anschließen, die Ehrliches Mitteilen nach Gopal Norbert Klein oder Dyadenmeditation praktiziert.
Letztlich fügt sich das Außen, und es finden sich neue Wege, wenn du im Inneren in gutem Kontakt mit dir und deinen jungen Anteilen bist und deine Grenzen klar ziehen kannst, innen wie außen. Nur wenn wir uns gut abgrenzen und selbst beschützen können, können wir wirklich in Kontakt sein. Statt lieber gleich ganz allein zu bleiben, weil es uns nicht gut gelingt, uns abzugrenzen oder das alte Muster der emotionalen Verantwortungsübernahme zu steuern.
Manchmal passiert es auch, dass wir selbst andere emotional überfordern, aus unserer Bedürftigkeit und inneren Not heraus, weil wir noch nicht in eine wirklich erwachsene Selbstverantwortung gehen können. Dann wenden sich Menschen womöglich von uns ab.
Mauer oder Gartenzaun
Ziehen wir eine komplette Mauer um uns herum, ist kein Kontakt mehr möglich, und wir landen in der Einsamkeit. Meist strahlen wir dann auch aus, dass wir keinen Kontakt wünschen, aus Angst. Ist unsere Grenze aber durchlässig, wie ein Gartenzaun mit Tür, bleibt die Möglichkeit, in Kontakt zu treten und die Bedingungen auszuhandeln, unter denen ein Kontakt für beide Seiten heilsam, nährend und schön sein kann. Das wäre gesunde Abgrenzung, und vielleicht auch der Raum für neue, heilsame, korrigierende Erfahrungen.
Zum Thema Grenzen gehört natürlich auch das Thema Konflikte: sie eingehen, aushalten, lösen. Gehst du das Risiko eines Konflikts ein, oder hältst du lieber eine unangenehme bis schädliche Situation aus, ziehst dich innerlich zurück und bist dann eben nicht mehr im Kontakt? Auch hier steht am Ende oft die Angst vor dem Kontaktabbruch, der paradoxerweise von deiner Seite schon stattfindet. Die Angst, die Zugehörigkeit zu verlieren, im Arbeitskontext vielleicht auch existenzielle Angst. Da spielen viele Faktoren hinein, das würde hier den Rahmen sprengen.
Du siehst, Grenzen setzen ist ein komplexes Thema, das viele andere Themen des Traumaheilungswegs berührt. Eine gute Chance also, dich selbst besser kennenzulernen, alte Dynamiken zu verstehen und neue Wege zu finden.
Grenzen im Workshop erforschen
Im Online-Workshop „Grenzen spüren, Grenzen setzen“ am 23. Januar 2027 erforschen wir genau diese Dynamiken, mit traumasensiblen Übungen und einem kraftvollen Trance Tanz, geschützt bei dir zu Hause. Alle Infos findest du unter Workshops. Ich freue mich, dich zu begleiten, wenn dich das Thema anspricht.
Alles Liebe,
Ulrike

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob eine Begleitung für dich passt. Oder du liest weiter im Blog.